Kehr(s)icht

Kehrsicht

Liebe Kehrrichtfrauen und -männer

 

 Was haben Mandarinen mit Advent zu tun? Nichts. Und dennoch signalisieren die kleinen orangefarbenen Zitrusfrüchte unmissverständlich, dass der Samichlaus naht. Als Zeichen der Vorfreude sind sie zum Bestandteil eines Brauches geworden. Gemeinsam tun wir etwas, ohne zu wissen, weshalb. Das Warum scheint nicht wichtig zu sein. Das Zeichen ist uns wichtig. Entdecken wir Mandarinen in der Migros, weiss jedes Kind was bevorsteht.

Ein solches Zeichen haben wir auch für die Museumsnacht gesucht. Denn, wieso jedes Jahr einen Anlass bewerben, der sowieso in den Köpfen der St.Gallerinnen und St.Galler verankert ist? Gäbe es ein solches untrügerisches Zeichen im Alltag, würden sofort alle wissen: Die Museumsnacht naht! Eine Erinnerung im täglichen Ablauf also. Und es muss nicht zwangsläufig logisch mit der Museumsnacht verbunden sein. Sind die Mandarinen schliesslich auch nicht mit dem Samichlaus.

So wie das Einkaufen von Mandarinen, ist das Raustragen des Abfalls eine Routine in unserem täglichen Leben. Wenn also zu einer bestimmten Jahreszeit der Abfallsack anders wäre? Wenn jedes Jahr Anfang Sommer die Abfallsäcke einen roten Ballon aufgedruckt hätten? Dies würde alle daran erinnern, dass in Kürze wieder Museumsnacht ist.

 

 

Nur hat ein Abfallsack eigentlich gar nicht so wenig mit Kultur zu tun. Abfall ist, genauso wie Kultur, eine Frage der Sichtweise. Was für die Einen Abfall ist, ist Anderen die Grundlage zur Inspiration. Was für die Einen Tag ist, ist für Andere Nacht. Was für Erwachsene unsichtbar ist, ist für Kinder eine Spielwiese. Die Kehrsicht des Kehricht.

Klar ist das alles etwas um die Ecke gedacht. Aber eine Möglichkeit all denen, die für uns täglich den Abfall aus dem Gedächtnis wegräumen, Danke zu sagen. Also, liebe Kehrrichtfrauen und -männer: Herzlichen Dank und auf Wiedersehen an der Museumsnacht!

Marcus Gossolt
Museumsnacht St. Gallen